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Freitag, 30. September 2011, 20.00 Uhr
Spitalkapelle Zum Hlg. Geist

Indien trifft Mittelalter


Der indische Musiker Shalil Shankar spielt virtuos die Sitar, komponiert und ist ein Wanderer zwischen den Welten. Das Sitarspiel hat er beim berühmten Ravi Shankar in Indien gelernt. Heute lebt er in der Schweiz und wird zu Konzertreisen in die ganze Welt eingeladen. Sein Anliegen ist die Verständigung der Völker, Kulturen und Religionen. Er wird begleitet vom Tablaspieler Mohinder Singh.

Ebenso alt wie die Sitar und ihre Musik sind die gregorianischen Choräle. Die Choralschola St. Blasius intoniert diese Gesänge aus den mittelalterlichen Kirchen und Klöstern unter der fachmännischen Leitung von Kirchenmusikdirektor Volker Linz.

Ein gemeinsames Konzert, das Ost und West zusammenführt, das die reine Stimme gegen die Obertonreichen Klänge der Sitar setzt und das den getragenen Choral mit den Rhythmen der indischen Musik in Verbindung bringt, braucht einen besonderen Ort. Die Spitalkapelle der die alte Musik in unserer modernen Zeit zum Klingen bringt.
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Vertrautes und Fremdes auf der Sitar


Ehinger Tagblatt vom 4. Oktober 2011

sitarDie Idee "Indien trifft Mittelalter" sorgte in der Spitalkapelle für ein ausverkauftes Konzert. Ein musikalischer Kontrast aus Fremdem und Vertrautem.
Da stand einigen Ehingern an der Türe der Spitalkapelle die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: Das Konzert "Indien trifft Mittelalter" mit der Choralschola St. Blasius und dem indischen Sitar-Spieler Shalil Shankar war ausverkauft. Die Choralschola St. Blasius hat zwar ihr angestammtes Publikum, aber mit so einem Zuspruch hatten Peter Dunkl von der Volkshochschule und der Förderverein Spitalkapelle nicht gerechnet. Offensichtlich hatte die Gegenüberstellung vertrauter Klänge mit fremder Musik viele neugierig gemacht.
Der Abend bot dann auch mancherlei Überraschungen. Die größte war sicherlich, dass Shalil Shankar und sein Ensemble laut Programm für drei Musikbeiträge vorgesehen waren. Das Stück ihres ersten Programmblocks dauerte dann eine knappe Dreiviertelstunde und man sah es den Zuhörern direkt an, wie sie im Kopf rechneten: drei Mal eine Dreiviertelstunde, zuzüglich der geistlichen Gesänge der Choralschola? Damit hatte niemand gerechnet. Doch Chorleiter Volker Linz und die indischen Musiker reagierten auf die Zeichen des Publikums. Jeder kürzte seine Beiträge.
Die neun Sänger der Choralschola eröffneten ihren Beitrag mit "Invocabit me" und sangen dann ein Kyrie eleison. Es folgten hymnische Gesänge mittelalterlicher Kirchenliteratur. Nachdem die beiden Musiker Mohinder Singh und Roger Odermatt neben ihrem Meister Shalil Shankar auf dem Bühnenboden Platz genommen hatten, stimmten sie ihre Instrumente. Der Tabla- Spieler verwendete dazu ein kleines Hämmerchen, um die Spannung gebenden Hölzer seiner beiden Trommeln in Position zu klopfen.
Die indische Musik sei weitgehend improvisierter Natur, erklärte Roger Odermatt dem lauschenden Publikum. Er zeigte sich vom Sitar-Meister fasziniert. Die indischen Melodienbögen ergänzten sich ohne definierte Pausen oder einen starken Wechsel der Rhythmen. In einer Art Endlosschleife, in der ein Thema in das andere überging, schufen die Musiker eine meditative Atmosphäre. Großer Applaus für das Ensemble.
CHRISTINA KIRSCH


Choralschola und Sitar ergänzen sich


Schwäbische Zeitung vom 2. Oktober 2011

Kirchengesang aus dem europäischen Mittelalter und indische Saitenmusik hat die Volkshochschule Ehingen am Freitagabend in der Spitalkapelle unter dem Motto "Indien trifft Mittelalter" zusammengebracht. Die Choralschola von St. Blasius trat abwechselnd mit dem in der Schweiz lebenden indischen Sitarmusiker Shalil Shankar und dessen zwei Begleitern Mohinder Singh und Roger Odermatt auf.
"Ich war gespannt, wie das wird", sarge VHS-Leiter Peter Dunkl am Schluss nach dem begeisterten Applaus der rund 90 Zuhörer. was zunächst gewöhnungsbedürftig schien, machte die Sache aber spannend, weckte Neugier und erfüllte im Prinzip die Erwartungen an ein derart Kontrastierendes Hörerlebnis. Der durchgehend lateinische Gesang der Choralschola dürfte den indischen Musikern genauso exotisch vorgekommen sein wie den Sängern ihre Musik. Im Empfinden des mit Shalil Shankar seit Jahren musizierenden Schweizers Roger Odermatt könnten beide Ausdrucksformen vertraute Resonanzen hervorrufen, sofern er nicht, wie es den Anschein hat, schon ganz im Klang der persisch-indischen Langhalslaute aufgegangen ist.
Dass der früher in Priesterseminaren, Kathedralkirchen und vor allem in Klöstern gepflegte Gregorianische Choral in Ehingen am Leben erhalten wird, ist Volker Linz zu verdanken. Mit neun Männern gelingt es ihm durch die Wiedergabe der aus Text und Melodie bestehenden einstimmigen Gesänge eine Tradition fortzuführen, die der Spiritualität der europäischen Kirchenmusik zugrunde liegt.
Sie verbindet heutige Gläubigkeit mit den Ursprüngen. Vermischen lassen sich Choral und Sitarmusik nicht, aber in abwechselnder Folge meditativ erfassen. Auch die indische Saitenmusik entspringt dem Eintauchen geistig offener Menschen in Philosophie und Religion. Das freie Wirken des Geistes bringt Musik hervor und hat Handwerker zum Bau komplexer Instrumente wie der Star veranlasst. Auf fünf Saiten bringen Meister wie Shalil Shankar beeindruckende Improvisationsgebilde von teils enormer Länge hervor. Einmal angestoßen will das Klingen nicht enden.
KURT EFINGER