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Geistliche Abendmusik


Die diesjährige Geistliche Abendmusik in der Liebfrauenkirche setzt mit jüdischer Musik einen ganz besonderen Akzent im Reigen der Ehinger Kirchenkonzerte.

Sonntag, 30. Oktober 2011 - 17:00 Uhr
Liebfrauenkirche Ehingen


"Yedid Nefesh" - "Jüdische Seele"
Hebräische Lieder mit Esther Lorenz, Gesang & Rezitation und Peter Kuhz, Gitarre

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Mit ihrem Konzertprogramm "Yedid Nefesh", benannt nach einem mittelalterlichen, liturgischen Text, präsentieren die Sängerin Esther Lorenz und der Gitarrist Peter Kuhz israelische und jüdisch-spanische Musikkultur.

Diese musikalische Reise durch das Judentum führt in alte Königsstädte im Jemen, das früher von Juden bewohnt war und beschreibt die Ebenen der Berge Tabor und Gilboa. Es erzählt von der Freude an Zion und Gottesnähe (Sachaja 2) und singt mit einem israelischen Wiegenlied in die Stille ("Ba-a menucha" - Die Stille kommt). Vertonte Texte aus dem "Shir Hashirim", dem Hohelied und Lieder der israelischen Komponistin Naomi Shemer sind ebenfalls zu hören. Es ist auch eine Hommage an sephardische Juden, die sich nach ihrer Vertreibung aus Spanien im Mittelalter in ganz Südeuropa, in Israel aber auch in New York ansiedelten.

Gedichte, Erläuterungen über Feiertage und Bräuche, Geschichten aus dem Talmud und die berühmte Prise Humor im Judentum vervollständigen dieses musikalische Kaleidoskop, das jüdisches Leben und Fühlen von verschiedenen Seiten beleuchten möchte.


Geheimnisvoll vertraute Lieder


Rezension im Ehinger Tagblatt vom 3. November 2011

Jüdisches Leben und Fühlen beleuchtete ein Konzert mit der Sängerin Esther Lorenz und dem Gitarristen Peter Kuhz in der Liebfrauenkirche. Wiegenlieder, Gebete und Freudengesänge wechselten sich ab.

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"Ich singe eine Melodie, die auch in den evangelischen und katholischen Gesangbüchern vertreten ist", erklärte die Sängerin Esther Lorenz in der Liebfrauenkirche zu ihrem ersten Lied. Tatsächlich klangen in dem Konzertprogramm "Yedid Nefesh", benannt nach einem mittelalterlichen, liturgischen Text, die Gesänge von Schmerz und Freude seltsam vertraut, und doch geheimnisvoll.
Auch wenn die Zuhörer den Text nicht verstanden, brachten die sehnsuchtsvollen Melodien tiefe Schichten der Seele zum Schwingen. So beschrieb die Sängerin mit samtenem Timbre die Sehnsucht der Juden nach dem verheißenen Land, in dem die Blumen aus den Felsspalten wachsen und auch die Seele wieder zu blühen beginnt. Das Gefühl der Entwurzelung kam auch in einem Gedicht der Jüdin Rose Ausländer zur Sprache. "Wir ziehen mit den dunklen Flüssen, nun heißt die Heimat wandern müssen", rezitierte Lorenz die Lyrikerin. "Es wehen Obdachlosigkeiten um unser heimatloses Haus", endete das Gedicht.
Melancholie paarte sich mit der Freude an Zion und dem überschwänglichen Gefühl der Nähe zu Gott, das besonders in den Liedern aus dem Chassidismus zum Ausdruck kam. In einem Wiegenlied hätten die Zuhörer nicht vermutet, dass eine Geschichte des Verlassenwerdens darinsteckte. "Denn wenn der Vater heim kommt", sang die Mutter an der Wiege des Kindes, "kommt er nicht von der Arbeit, sondern von einer neuen Liebe." Die musikalische Reise führte auch in alte Königsstädte im Jemen, das früher von Juden bewohnt war, und beschrieb die Ebenen der Berge Tabor und Gilboa. Lieder der Komponistin Naomi Shemer waren ebenfalls zu hören. Die Hommage an sephardische Juden, die sich nach ihrer Vertreibung aus Spanien im Mittelalter in Südeuropa, Israel, aber auch in New York ansiedelten, brachte das Publikum zu innerer Einkehr.
Der Gitarrist Peter Kuhz begleitete die Sängerin und trug auch mit solistischen Stücken zu einem poetischen und melancholisch stimmenden Konzertabend bei.
CHRISTINA KIRSCH