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Magnifikat mit Rumba und Rag Time


Ehinger Tagblatt vom 30. Mai 2011
Gut eingespielt waren der Kirchenchor St. Blasius und die Süddeutsche Kammerphilharmonie unter der Leitung von Volker Linz. Heuer begeisterten sie mit John Rutters Kindermesse und seinem Magnifikat.
Sie standen ganz vorne im Chorraum von St. Blasius am Rand des Podestes und wippten im Takt der Musik: Die 17 Spatzen des Spatzenchors, die zusammen mit dem Kirchenchor und dem Chor "New Spirit" John Rutters Messe der Kinder aufführten. Mit zarten Stimmen tschilpten die Spatzen das Kyrie vom Erwachen der Seelen und der Aufforderung, den Tag zu leben, als sei es der letzte. Der Text der 2003 uraufgeführten Messe sei aufgebaut wie eine lateinische Missa Brevis, erklärte Volker Linz im Programmblatt. Die hinzugefügten poetischen Texte, die vom Morgen und vom Abend handelten, schlugen jedoch zusätzlich einen Bogen über einen ganzen Tag.
John Rutters "Mass of the children" stimmte mit Chor und Orchester in der gut besuchten Kirche eine fröhliche, fast frühlingsleichte Messe an. Heiter kam das Gloria und beschwingt begann das Sanctus, um dann mit dem Schlagwerk im Bombastischen zu schwelgen. Die Fragen im Agnus Dei, die sich an das kleine Lamm wenden, kamen getragen und leidend, aber nicht ohne Zuversicht und Hoffnung. Gerhard Späth aus München bestach im ausführlichen Finale mit seiner klaren Baritonstimme, und die Sopranistin Andrea Reuter füllte die Kirche mühelos mit ihrem gefestigten Sopran.
Schön zu hören war auch, wie sich das Orchester auf die Kinderstimmen einstellte und dem kraftvoll singenden Kirchenchor instrumental zur Seite stand. Der lebensleichten Kindermesse folgte ein ungewöhnliches Magnificat. "Magnificat-Kompositionen gibt es reichlich, obwohl überraschenderweise weniger, seitdem sich J. S. Bach mit dem Text auseinandersetzte", schrieb John Rutter. "Schon längere Zeit wollte ich ein größeres Magnificat schreiben, doch ich war mir nicht sicher, wie ich an den Text herangehen sollte, bis ich schließlich einen Ausgangspunkt fand", erklärte er seine Herangehensweise an das Werk. Der Engländer fand seine Magnifikat-Rhythmen und Melodien auf den Straßen Spaniens und Mexikos.
Diese eigene Form des Feierns, bei der die Marienfesttage für die Menschen die freudige Gelegenheit sind, auf den Straßen zu singen und zu tanzen, gab John Rutter die Vorgabe für ein jubilierendes, beinahe ausgelassenes Magnificat. Der Text stammt aus dem Lukas-Evangelium. Der Erzengel Gabriel verkündet Maria die Geburt Jesu Christi. John Rutter fügte dem Evangeliumstext verschiedene Elemente hinzu, wie das "Of a Rose", ein poetisches Zwischenstück. Auch das "Sancta Maria", ein bittender Anruf an die Gottesmutter, ist ergänzt.
John Rutters Magnificat begannen Sänger und Orchester mit deutlich südamerikanischem Einschlag. Bongos sind in einer geistlichen Komposition eher die Seltenheit. Trotz der fröhlichen Stimmung fehlten nicht die berührenden, innerlichen Momente, wie sie Andrea Reuter solistisch vor allem im "Et Misericordia" ausdrückte. Untermalt von den tiefen Streichern und mit den Männerstimmen beginnend, erklang das machtvolle "Fecit Potentiam" fast wie ein Sprechgesang. Die Konzertbesucher hörten in John Rutters Magnificat nicht nur eine klassische Fuge, sondern auch eine Rumba und den Rag Time. Es endete mit einem begeisterten Applaus für alle Beteiligten.
CHRISTINA KIRSCH